Der Jura-Professor Holm Putzke (Universität Passau) im Interview

„Drahtlose Mikrofone sind für Professoren alternativlos“

Prof. Holm Putzke, Universität Passau

Beliebt bei Studenten und engagiert in Lehre und Politik – der Passauer Strafrechtsprofessor Holm Putzke setzt an der Universität und auch bei Parteiveranstaltungen auf drahtlose Mikrofone. Putzke hat im Jahr 2011 einen Preis für exzellente Lehre gewonnen und ist, außerhalb der Hochschule, auch politisch aktiv. Er ist Vorsitzender der CSU in Passau, also dort, wo jedes Jahr der „Politische Aschermittwoch“ der Partei stattfindet. Da sind Funkmikrofone genauso wichtig wie im Hörsaal.

Im Interview mit der Initiative “SOS – Save Our Spectrum” erzählt Putzke, dass er glaubt, dass eines Tages Roboter Einzug halten werden an der Universität. „Die richtig guten Kolleginnen und Kollegen werden sich aber auch in Zukunft gegenüber Maschinen behaupten“, hofft er. Menschen werden dann weiterhin drahtlose Mikrofone brauchen. Putzke ist Studiendekan der Juristischen Fakultät der Universität Passau.

Wieso nutzen Sie als Professor drahtlose Mikrofone in der Lehre?

Stationäre Mikrofone oder solche mit Kabel begrenzen den Bewegungsradius. Da ich gern herumlaufe und es eine Veranstaltung enorm belebt, Zuhörer unmittelbar und spontan einzubinden, sind drahtlose Mikrofone alternativlos.

In Passau halte ich für Erstsemester die Vorlesung „Einführung in die Rechtswissenschaft“, an der in der Regel 400 bis 500 Studenten teilnehmen. Würde ich mich 90 Minuten lang an das Rednerpult klammern, litte darunter massiv die Aufmerksamkeit.

Ich erinnere mich noch gut an meine Studienzeit an der Ruhr-Universität Bochum Anfang der 1990er Jahre: Wer sich damals hinterm Rednerpult versteckte, hatte in großen Hörsälen so gut wie keine Chance einen Zustand ruhig-konzentrierten Zuhörens hinzubekommen. Die Lautstärke war teilweise enorm; am Ende hörten nur noch wenige, meist in den ersten fünf Reihen sitzend, überhaupt zu – der Rest saß die Zeit ab und freute sich auf die Pausen. Dass dies reine Zeitverschwendung und kein sinnvoller Zustand war, liegt auf der Hand.

Könnten Sie sich vorstellen, mit einem kabelgebundenen Mikro zu arbeiten?

Ich ziehe ein drahtloses Mikrofon einem kabelgebundenen in jeder Hinsicht vor.

Nicht jedes Fach kann so mitreißend sein wie Strafrecht, wo in den zu besprechenden Sachverhalten oft Blut spritzt, Knochen brechen, Millionen verloren gehen, geschossen wird oder Autos zu Waffen werden, kurzum das pralle Leben pulsiert.

Es ist anspruchsvoll genug, die Konzentration der Zuhörer über 90 Minuten lang aufrecht zu erhalten. Das gelingt erfahrungsgemäß nur mit gezielt eingesetzter und wohldosierter Interaktion. Aber davon müssen alle etwas mitbekommen.

Wer das Pult verlässt und plötzlich ohne Stimmverstärker dasteht, verliert die Zuhörer genauso schnell wie jemand, der hinterm Vorlesungspult stehend uninspiriert den Lehrstoff herunterbetet.

Was halten Sie eigentlich von E-Learning: Braucht es in 20 oder 30 Jahren den Professor im Hörsaal überhaupt noch?

Auch bei der Wissensvermittlung und der Kompetenzvermittlung wird Künstliche Intelligenz in nicht allzu ferner Zukunft eine viel bedeutendere Rolle spielen als viele sich heute vorstellen können oder zugeben wollen.

Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden im Jurastudium Roboter Klausurbesprechungen oder gar Klausurkorrekturen übernehmen können. Denkbar ist das auch für den Hörsaal: Ich selber würde schon jetzt einen fähigen Roboter einem unmotivierten Professor, der lustlos keine gute Lehre macht, stets vorziehen.

Die richtig guten Kolleginnen und Kollegen werden sich aber auch in Zukunft gegenüber Maschinen behaupten: Keine Maschine kann gute Lehre ersetzen, die ja maßgeblich auch von den Persönlichkeiten mit ihren individuellen Erfahrungen lebt.

Sie haben einen Preis für exzellente Lehre gewonnen. Was macht moderne Lehre aus?

Moderne Lehre muss unter sinnvoller Einbindung moderner Medien Inhalte adressatenorientiert vermitteln, Zuhörer zur aktiven Teilnahme motivieren und ihre Potentiale aktivieren. Und eines ist natürlich besonders wichtig: die Leidenschaft des Dozenten an der Kompetenzbefähigung. Ohne leidenschaftliche Lehre kein effektives Lernen.

Gab es bei Ihnen schon mal Funkstörungen während der Nutzung des Mikrofons?

Mir sind keine Ausfälle bekannt – die Universität Passau verfügt sowohl über eine gute Technikausstattung als auch über exzellenten Support. Selbst wenn einmal etwas nicht funktioniert, dauert es in der Regel keine zehn Minuten, bis fachkundige Hilfe vor Ort ist, jemand sich des Problems annimmt. Das gehört einfach dazu.

An staatlichen Universitäten außerhalb Bayerns, etwa in NRW oder Berlin, ist das schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr, was nicht zuletzt mit der Finanzausstattung zu tun hat, worüber bayerische Universitäten sich dank einer vorausschauenden Politik der bayerischen Staatsregierung wahrlich nicht beklagen können.

Wie nutzen Sie Funkmikrofone auf Kongressen oder anderen Veranstaltungen?

Ich setze mich im Vorfeld mit den Veranstaltern in Verbindung und erkundige mich, ob es möglich ist, ein Funkmikrofon zu nutzen. Veranstalter, denen ein Referent rechtzeitig die technischen Präferenzen für seinen Vortrag mitteilt, sind erfahrungsgemäß gern bereit, sich darauf einzustellen.

Sie sind Vorsitzender der CSU in der Stadt Passau. Wie setzt man bei politischen Veranstaltungen drahtlose Mikrofone ein?

Wir sind in Passau Gastgeber einer der wichtigsten CSU-Veranstaltungen überhaupt: des Politischen Aschermittwochs. Technisch und medial sind diese Veranstaltungen perfekt organisiert – Funkmikrofone inklusive.

(Das Interview wurde am 19. April 2018 geführt.)

 

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