Die Opernsängerin Daniela Köhler im Interview

„Für eine gute Tonqualität kann man nicht auf drahtlose Mikrofone verzichten“

Im nächsten Jahr wird bei den Bayreuther Festspielen der „Ring des Nibelungen“ neu inszeniert. Das gab Katharina Wagner vor wenigen Tagen bekannt. Auch die Namen der Sänger wurden dabei verraten. Die drei Brünnhilde-Partien singen Daniela Köhler („Siegfried“), Petra Lang („Walküre“) und Christine Goerke („Götterdämmerung“). Für Daniela Köhler, dramatischer Sopran aus dem Raum Karlsruhe, ist die Nominierung das absolute Highlight ihrer bisherigen Karriere.

Die Initiative „SOS – Save Our Spectrum” sprach mit Köhler über ihren Beruf und weshalb drahtlose Produktionsmittel auch für Opernsängerinnen und Opernsänger wichtig sind. Für den eigenen Gesang nutzen sie oft gar keine Funkmikrofone – aber sie sind darauf angewiesen, dass Dritte Funkmikrofone benutzen. Und bei Seebühnen wie in Bregenz braucht es natürlich auch für die Sänger drahtlose Produktionsmittel.

Wie sind Sie Opernsängerin geworden?

Ich habe schon als Kind gerne gesungen und das wohl nicht schlecht. Denn im Chor habe ich viele Soli übernommen. Irgendwann war mir das zu wenig und ich nahm professionellen Gesangsunterricht. Das lief wunderbar und ich fing an, über eine Karriere als Sängerin nachzudenken. Nach dem Abitur studierte ich an den Musikhochschulen in Stuttgart und Karlsruhe Gesang. Im Opernstudio des Staatstheaters Karlsruhe sang ich die ersten Töne auf einer „echten“ Bühne. Dann folgten Stationen in Barcelona, Madrid, Leipzig, Abu Dhabi und Bayreuth.

Daniela Köhler, dramatischer Sopran aus dem Raum Karlsruhe
Foto: Admill Kuyler

Was reizt Sie an Ihrem Beruf?

Die besondere Verbindung zwischen Künstlern und Publikum. Es ist wunderbar, wenn meine Begeisterung für die Musik sich auf die Zuhörerinnen und Zuhörer überträgt und ich merke, wie der Funke überspringt. Besonders liebe ich die Reaktion bei Kindern. Sie reagieren spontan und ungefiltert. Da geht mir einfach das Herz auf. Musik berührt alle Menschen auf unnachahmliche Weise. Es ist schön, Teil davon zu sein.

Manchmal begegnen mir auch die Helden meiner Kindheit. Als ich letztes Jahr mit Placido Domingo in Bayreuth für sein Debüt als Dirigent in der „Walküre“ proben durfte, habe ich ihn nicht nur als herausragenden Künstler, sondern auch als herzlichen, ja großherzigen Menschen erlebt. Er hat mich tief beeindruckt. Außerdem ist es fantastisch, durch meinen Beruf die schönsten Opernhäuser in den schönsten Städten der Welt und viele neue Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen. Denn Menschen, die Musik machen, sind speziell – aber wunderbar. Es macht einfach Freude, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten.

Nutzen Sie drahtlose Mikrofone oder In-Ear-Systeme bei Ihrer Arbeit, bei Proben oder Aufführungen?

In normalen Vorstellungen benötige ich keine Mikrofone. In der Opernausbildung wird die Stimme so entwickelt und trainiert, dass man durch die besondere Technik auch ohne Verstärkung noch in der letzten Reihe gut gehört wird – auch dank der speziellen Architektur der Opernhäuser. Natürlich sind drahtlose Mikrofone trotzdem unverzichtbar, wie sollten wir sonst gute Aufnahmen machen? Besonders durch Aufnahmen während der Proben können wir herausfinden, was wir anpassen müssen, um das künstlerische Ziel zu erreichen.

Sind Sie darauf angewiesen, dass andere Beteiligte Funkmikrofone nutzen, etwa für Kommunikation, Sicherheit oder Musik?

Eine Opernproduktion ist wie ein Eisberg – man sieht an der Oberfläche nur zehn Prozent. Auch wenn ich ohne Mikrofon auf der Bühne stehe, bin ich darauf angewiesen, dass die Kollegen in Schwarz sie intensiv nutzen. Sie müssen ständig miteinander kommunizieren können, damit über, unter, hinter, vor und manchmal sogar auf der Bühne alles getan wird, um dem Publikum eine wunderbare Aufführung zu bieten.

Im Zeitalter des Internet werden die meisten Opernaufführungen „mitgeschnitten“. Um eine gute Tonqualität zu sichern, kann man nicht auf drahtlose Mikrofone verzichten. Eine echte Herausforderung für die Technik und die Maskenbildner. Denn sehen soll das Publikum die Mikros natürlich nicht…

Wieso setzen Opernsänger bei den großen Festspielen wie in Bregenz Funkmikrofone ein?

Wenn die physikalischen Voraussetzungen für Schallverbreitung nicht gegeben sind, zum Beispiel weil Wände fehlen, an denen er sich brechen könnte. Dann wird gute Mikrofontechnik benötigt, um den Zuschauern ein gutes Gesamterlebnis bieten zu können. Das ist bei den meisten Open Airs und in manchen sehr großen Opernhäusern wie etwa in der Metropolitan Opera in New York oder der Bastille in Paris so. In Bregenz auf der Seebühne würde die Stimme, ohne die hervorragende Mikrofontechnik vermutlich ab der dritten Reihe nicht mehr zu hören sein.

Wo kann man Sie in den nächsten Jahren hören, was sind Ihre nächsten künstlerischen Stationen?

Ich werde im Januar 2020 an der Oper Leipzig und im Mai in Chemnitz Brünnhilde in Wagners „Siegfried“ singen; im Februar bin ich im Teatro Real in Madrid und singe dort in der „Walküre“ die Helmwige. In Mainz bin ich als Brünnhilde im „Ring an einem Abend“ zu hören und mit der Bayreuther Kinderoper gastiere ich als Brünnhilde auf einer China-Tournee im Herbst 2020. Das absolute Highlight meiner Karriere ist die Brünnhilde im „Siegfried“ in der Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen 2020.

 

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