Fragen und Antworten

Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema „SOS – Save Our Spectrum“.

A) Kultur- und Kreativwirtschaft

  1. Kultur- und Kreativwirtschaft – was ist das genau?
  2. Was hat die Kultur- und Kreativwirtschaft mit Funkmikrofonen / drahtlosen Produktionsmitteln zu tun?
  3. Wie wichtig ist die Kultur- und Kreativwirtschaft?

B) Frequenznutzung: Grundlagen

  1. Warum sind Funkfrequenzen knapp?
  2. Wer entscheidet, wer wo senden darf?
  3. Was ist der Unterschied zwischen Primär- und Sekundärnutzern?

C) Verlust von Produktionsfrequenzen, Digitale Dividende

  1. Warum verlieren Funkmikrofonnutzer ihre Frequenzen?
  2. Wo sendeten Funkmikrofone bisher?
  3. Was versteht man unter der „Digitalen Dividende“?
  4. Was versteht man unter der „Digitalen Dividende 2“?
  5. Was versteht man unter der „Digitalen Dividende 3“?

D) Frequenzbedarf drahtloser Produktionsmittel

  1. Können drahtlose Mikros und Mobilfunk nicht die gleichen Frequenzen nutzen?
  2. Warum müssen Frequenzen/Produktionen störungsfrei sein?
  3. Warum braucht PMSE ausgerechnet das UHF-TV-Band?
  4. Wo kann PMSE in Zukunft noch senden? Gibt es Ersatz für die verlorenen Frequenzen?
  5. Wie viel Spektrum braucht PMSE?
  6. Warum will die Programm- und Veranstaltungsproduktion (PMSE) den Status als Primärnutzer?
  7. Warum nimmt der Einsatz von drahtlosen Produktionsmitteln stetig zu? Warum nicht Kabel?

E) Frequenzbedarf des Mobilfunks

  1. Wieviel Spektrum braucht der Mobilfunk?
  2. Warum will der Mobilfunk das UHF-TV-Band, wenn er es nicht braucht?

 


A) Kultur- und Kreativwirtschaft

 

1. Kultur- und Kreativwirtschaft – was ist das genau?

Die Kultur- und Kreativwirtschaft (englisch: Cultural and Creative Industries) ist ein in Deutschland und Europa sehr bedeutender Wirtschaftszweig. Mehrere Studien weisen dies übereinstimmend nach.

Was man unter dem Begriff genau versteht, hat im Jahr 2009 die Wirtschaftsministerkonferenz festgelegt:

„Unter Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen.“1

Folgende Einzelbranchen oder Teilmärkte werden ihr zugerechnet:

Unter dem Begriff „Kulturwirtschaft“ werden die neun Teilmärkte Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Darstellende Künste, Designwirtschaft, Architekturmarkt und Pressemarkt zusammengefasst. Der Werbemarkt und die Software- und Games-Industrie stellen die so genannten Kreativbranchen dar. Die insgesamt elf Teilmärkte bilden gemeinsam das Wirtschaftsfeld Kultur- und Kreativwirtschaft.“1

1 = Quelle: BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) (Hrsg.) (2013): Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2013, Langfassung. Download:

  BMWi_Monitoring Kultur- und Kreativwirtschaft Deutschland 2013.pdf (2,0 MiB, 799 hits)

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2. Was hat die Kultur- und Kreativwirtschaft mit Funkmikrofonen / drahtlosen Produktionsmitteln zu tun?

Viele Einzelbranchen, die der Kultur- und Kreativwirtschaft zugerechnet werden, nutzen drahtlose Produktionsmittel oder sind auf die mit ihnen erstellten Inhalte angewiesen. Beispiele:

  • Musikwirtschaft
  • Filmwirtschaft
  • Rundfunkwirtschaft (Hörfunk und Fernsehen)
  • Darstellende Künste (z.B. Musicalbühnen und Theaterhäuser)
  • Werbebranche (bei Werbung in Hörfunk und Fernsehen)
  • Software- und Games-Industrie (Vertonung mit Sound-Effekten und Musik)

Wer die Kultur- und Kreativwirtschaft erhalten und fördern möchte, so wie es Politiker aller Parteien immer wieder betonen, der muss also auch Entwicklungsperspektiven für drahtlose Produktionsmittel eröffnen. Hierfür muss ausreichend qualitativ hochwertiges Funkspektrum bereitgestellt werden. Nur so ist es möglich, die Attraktivität von Bühneninszenierungen und die Soundqualität bei Studio- und Liveproduktionen weiter zu steigern – so, wie die Konsumenten es wünschen.

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3. Wie wichtig ist die Kultur- und Kreativwirtschaft?

Nach einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums beschäftigte die deutsche Kultur- und Kreativwirtschaft bereits im Jahr 2013 mehr als eine Million Menschen. Gleichzeitig leistete sie einen Beitrag von 145 Mrd. Euro zum Bruttoinlandsprodukt. Damit gehört die Kultur- und Kreativwirtschaft zur „Top 3“ der größten Wirtschaftszweige in Deutschland. Sie hat hierzulande den gleichen Stellenwert wie die klassischen Industriebranchen Automobilwirtschaft und Maschinenbau. Deutschland ist der stärkste Kultur- und Kreativwirtschaftsstandort in Europa – sowohl nach der Wertschöpfung als auch nach der Anzahl der Erwerbstätigen.

Das allein wären schon genug Gründe, die Kultur- und Kreativwirtschaft möglichst zu fördern und ihr keinen Schaden zuzufügen. Aber es gibt noch einen weiteren: Sie hat viele positive Effekten auf ihr wirtschaftliches Umfeld. Beispielsweise beim „Veranstaltungs- und Kulturtourismus“, der die regionale Entwicklung fördert und dem Hotel- und Gastgewerbe zugutekommt. Das kulturelle Umfeld und Angebot ist häufig auch ein entscheidender Standortfaktor bei der Ansiedlung von Unternehmen. Ein weiterer Punkt: Erst die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertig produzierten Inhalten fördert die Nachfrage nach High-Tech-Unterhaltungselektronik.

Download der BMWi-Studie im Volltext:

  BMWi_Monitoring Kultur- und Kreativwirtschaft Deutschland 2013.pdf (2,0 MiB, 799 hits)

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B) Frequenznutzung: Grundlagen

 

1. Warum sind Funkfrequenzen knapp?

Frequenzbänder sind – ähnlich wie ein Stück Wiese oder ein Hektar Wald – eine begrenzte Ressource. Das weiß jeder, der schon einmal an einem Radio mit Frequenzanzeige auf Sendersuche war: Links und rechts ist irgendwo Schluss.

Eine Vielzahl von Nutzern ist daran interessiert, Funkfrequenzen zu verwenden. Zum Beispiel:

  • Drahtlose Produktionsmittel (Funkmikrofone, In-Ear-Monitoring-Systeme)
  • Das terrestrische Fernsehen (DVB-T)
  • Das Militär
  • Zivile Einsatzkräfte (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst) – die so genannten Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)
  • Der Mobilfunk (Handynetze und mobiles Breitband-Internet)
  • Lokale Netzwerke (WLAN)
  • Flugsicherung und Überwachung (Kommunikation und Radar)

Die knappe Ressource muss also gerecht verteilt werden – so, dass alle Interessenten zum Zuge kommen.

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2. Wer entscheidet, wer wo senden darf?

Über die Frequenznutzung wird politisch entschieden. Damit Funksysteme möglichst länderübergreifend funktionieren und es keine Störungen in grenznahen Regionen gibt, spielen internationale Konferenzen und Gremien eine entscheidende Rolle.

„Ganz oben“ auf der internationalen Ebene steht die Weltfunkkonferenz (englisch World Radiocommunication Conference, WRC). Sie wird von der Internationalen Fernmeldeunion organisiert (englisch International Telecommunication Union, ITU). Die ITU ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN).

Auf europäischer Ebene existiert die die CEPT, Conférence Européenne des Administrations des Postes et des Télécommunications (deutsch: Europäische Konferenz der Verwaltungen für Post und Telekommunikation).

Den Nationalstaaten mit ihren Ministerien und Behörden kommt eine Schlüsselrolle zu: Sie bereiten die internationalen Konferenzen mit vor und beeinflussen mit ihren Interessen die Agenda und die Abstimmungen dort. Und sie setzen die internationalen Beschlüsse um.

In Deutschland ist die Entscheidung über Frequenzen für Hörfunk und Fernsehen Sache der Bundesländer. Sie melden den dafür erforderlichen Bedarf an die Bundesnetzagentur. Welche Frequenzen der Rundfunk nutzen darf, wird aber von der WRC bestimmt und danach in nationales Recht umgesetzt.

Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) ist federführend bei der Vorbereitung der Weltfunkkonferenzen und setzt dafür eigene Arbeitsgruppen ein. Auf der alle drei bis fünf Jahre tagenden Weltfunkkonferenz werden international verbindliche Regeln zur Nutzung der Funkfrequenzen getroffen. Dem BMVI untersteht die Bundesnetzagentur (BNetzA). Trotz dieser formal untergeordneten Position beeinflusst die Bundesnetzagentur die Frequenzpolitik auf nationaler und internationaler Ebene mit ihrem Fachpersonal stark und wacht im Alltag über die korrekte Nutzung der Frequenzen. Das BMVI hat die letzte Frequenzauktion, die „Digitale Dividende 2“, entscheidend mit vorangetrieben. Diese hat den drahtlosen Produktionsmitteln signifikant Frequenzen entzogen, ohne gleichzeitig Ersatzspektrum zur Verfügung zu stellen – der wesentliche Grund für die Aktivitäten der Initiative SOS – Save Our Spektrum.

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3. Was ist der Unterschied zwischen Primär- und Sekundärnutzern?

Wenn mehrere Anwender den gleichen Frequenzbereich verwenden dürfen, muss es Regeln geben, damit keine Störungen untereinander auftreten. Der Gesetzgeber unterscheidet deshalb Funkdienste nach ihrer Wichtigkeit. Ein primärer oder co-primärer Nutzer hat die höhere Priorität und muss nicht auf weitere Frequenznutzer achten. Sekundärnutzer dagegen müssen dafür Sorge tragen, dass sie den Primärnutzer nicht stören. Außerdem müssen sich die Sekundärnutzer untereinander koordinieren, damit sie ihre Übertragungen nicht gegenseitig stören.

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C) Verlust von Produktionsfrequenzen, Digitale Dividende

 

1. Warum verlieren Funkmikrofonnutzer ihre Frequenzen?

Bundespolitiker und Bundesnetzagentur wollen die Versteigerungserlöse für ihren Haushalt. Sie erkennen nicht, wie bedrohlich mittlerweile die Lage für die Anwender von drahtlosen Produktionsmitteln geworden ist.

Diese waren bisher nicht ausreichend organisiert und haben sich nicht gemeinsam für den Erhalt ihres Spektrums eingesetzt. Die Mobilfunk-Lobby ist dagegen sehr stark: Bereits zum zweiten Mal bekommt sie mit der aktuellen „Digitalen Dividende 2“ Frequenzen, die zuvor von Fernsehsendern und drahtlosen Produktionsmitteln (PMSE) genutzt wurden.

Die Initiative „SOS – Save Our Spectrum“ möchte diese Situation ändern. Gemeinsam mit unserem Partner APWPT (Association of Professional Wireless Production Technologies) vertreten wir nachdrücklich die Interessen der PMSE-Nutzer – als Gegengewicht zur Mobilfunk-Lobby und für die intelligente Aufteilung des vorhandenen Frequenzspektrums.

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2. Wo sendeten Funkmikrofone bisher?

Hauptsächlich sendeten Funkmikrofone und In-Ear-Monitoring-Systeme (IEM) bisher im so genannten UHF-TV-Band. Das UHF-TV-Band ging ursprünglich von 470 MHz bis 862 MHz. Es war nicht vollständig mit Fernsehsendern belegt. Zwischen den einzelnen Kanälen blieben reichlich Lücken, in denen drahtlose Produktionsmittel betrieben werden konnten.

Heute hat sich diese Situation stark geändert – durch die Frequenzversteigerung der Digitalen Dividende 1 und 2 wurde das UHF-TV-Band immer kleiner und die drahtlosen Produktionsmittel hatten dort immer weniger Platz. Nach der ersten Digitalen Dividende fiel zunächst der Frequenzbereich 790 – 862 MHz weg. Nach der „Digitalen Dividende 2“ geht auch der Frequenzbereich 694 – 790 MHz verloren. Das UHF-TV-Band geht dann nur noch von 470 – 694 MHz. Dort konzentrieren sich Fernsehen und Funkmikrofone auf engstem Raum. Eine „Digitale Dividende 3“, die auch diesen letzten Rest an Frequenzen auffressen würde, ist bereits in der Diskussion. Wird sie umgesetzt, dann sind drahtlose Mikrofone endgültig „heimatlos“.

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3. Was versteht man unter der „Digitalen Dividende“?

Nach der Umstellung des analogen Antennenfernsehens auf digitales DVB-T wurden Frequenzen frei, weil digitales TV bei der Ausstrahlung weit weniger Bandbreite benötigt. Diese Einsparung von Frequenzen wird „Digitale Dividende“ genannt. Die erste Digitale Dividende aus eingesparten Frequenzen wurde bereits im Mai 2010 an den Mobilfunk versteigert, das Spektrum 790 bis 862 MHz. Es wird verwendet werden, um dort mit dem neuen Mobilfunkstandard LTE Netze für mobiles Breitband-Internet aufzubauen.

Das UHF-TV-Band wurde somit kleiner und ging nur noch von 470 – 790 MHz. Drahtlose Produktionsmittel und TV-Sender mussten zwangsweise in diesen Bereich umziehen. Dort ging es nun schon spürbar enger zu. Für die Umrüstung und die Neuanschaffung von drahtlosen Produktionsmitteln fielen den Anwendern in Deutschland mehrere hundert Millionen Euro Kosten an. Die meisten der alten Geräte mussten verschrottet werden, obwohl sie noch funktionstüchtig waren, denn auf den bisher genutzten Frequenzen war ein störungsfreier Betrieb nicht mehr möglich.

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4. Was versteht man unter der „Digitalen Dividende 2“?

Das digitale Antennenfernsehen DVB-T soll auf den neuen Übertragungsstandard DVB-T2 umgestellt werden. DVB-T2 benötigt beim Senden weniger Platz im Funkspektrum, so dass weitere UHF-TV-Frequenzen frei werden. Diese wurden wieder – wie bei der ersten Digitalen Dividende – an den Mobilfunk versteigert, damit dieser dort die mobile Breitbandversorgung ausbaut. Es geht diesmal um die Frequenzen 694 – 790 MHz.

Sie kamen auf Initiative der Bundesregierung und der Bundesnetzagentur im Juni 2015 unter den Hammer. Die Vertreibung der Drahtlos-Mikrofontechnik aus ihrem angestammten Frequenzbereich wiederholt sich: Wie bei der ersten Digitalen Dividende muss massenhaft Equipment verschrottet werden. Mit dem Unterschied, dass es sich diesmal um erst kürzlich neu angeschaffte Geräte handelt – und, dass es nicht genug Frequenzen zum Ausweichen gibt. Es bleibt nur das TV-Restspektrum 470 – 694 MHz. Eine Veranstaltungsproduktion im heute üblichen Umfang und digitales Antennenfernsehen sind dort nicht gleichzeitig unterzubringen.

Erschwerend kommt hinzu, dass bei der Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 beide Standards einige Zeit lang parallel ausgestrahlt werden sollen. Diese so genannte Simulcast-Phase wird voraussichtlich mehrere Jahre dauern und belegt zusätzlich Frequenzkanäle. Für drahtlose Produktionsmittel bleiben dann allenfalls winzige Lücken.

Die Frequenzknappheit ist der EU, dem Bund, den Ländern und der Bundesnetzagentur bekannt. Sie haben erklärt, dass für drahtlose Produktionsmittel ausreichend Ersatzspektrum zur Verfügung gestellt wird. Diesen Ankündigungen sind bisher keine Taten gefolgt.

Damit die Zuschauer auch weiterhin Antennenfernsehen schauen können, werden sie sich neue Fernsehgeräte oder geeignete Set-top-Boxen anschaffen müssen, die für den Empfang von DVB-T2 und HD geeignet sind. Die alten Fernseher müssen also genauso verschrottet werden wie drahtlose Produktionsmittel – wegen der „Digitalen Dividende 2“.

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5. Was versteht man unter der „Digitalen Dividende 3“?

Mit der „Digitale Dividende 3“ ist der letzte Rest des nach der „Digitalen Dividende 2“ verbleibenden UHF-TV-Spektrums gemeint: Die Frequenzen 470 – 694 MHz. Es gibt in Deutschland und international bereits Bestrebungen, auch sie an den Mobilfunk zu geben. Drahtlose Produktionsmittel sind jedoch aus physikalischen Gründen auf das Spektrum angewiesen (siehe: „Warum braucht PMSE ausgerechnet das UHF-TV-Band?“). Die Initiative „SOS – Save Our Spectrum“ setzt sich deshalb für eine Sicherung dieser Frequenzen und gegen eine „Digitale Dividende 3“ ein.

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D) Frequenzbedarf drahtloser Produktionsmittel

 

1. Können drahtlose Mikros und Mobilfunk nicht die gleichen Frequenzen nutzen?

Nein, das ist leider nicht möglich. Würde man ein Funkmikrofon auf den Mobilfunkfrequenzen betreiben, wäre nur ein starkes, aggressives Rauschen zu hören. Der Mobilfunk hat eine vielfach höhere Sendeleistung und stört drahtlose Produktionsmittel. Senden zwei Spektrumsnutzer auf der gleichen Frequenz, dann gewinnt stets der Stärkere. In diesem Fall das Handy eines jeden Mobilfunknutzers oder der nächste Mobilfunkmast.

Eine Mobilfunk-Basisstation sendet mit ungefähr 1.200 Watt und ein Mobiltelefon mit rund 2 Watt. Zum Vergleich: Ein drahtloses Mikrofon strahlt nur ungefähr 30-50 Milliwatt (mW) ab. Mobiltelefone sind also 66 Mal stärker, Basisstationen sogar rund 40.000 Mal.

Hören Sie hier ein typisches LTE-Störgeräusch (Störung drahtloser Mikrofone durch Mobilfunk):

 

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2. Warum müssen Frequenzen/Produktionen störungsfrei sein?

Drahtlose Produktionsmittel werden eingesetzt, damit das Publikum das gesprochene Wort versteht – und darüber hinaus, um den Zuschauern ein einmaliges Erlebnis oder einen besonderen Hörgenuss zu bieten. Das trifft besonders auf Audio- und Videoproduktionen und Live-Events zu. Man stelle sich ein Konzert, ein Theaterstück, einen Film oder ein Fußballspiel vor, bei dem kein Ton zu hören ist! Oder schlimmer noch: Ohrenbetäubende Störgeräusche. Die Veranstaltungen würden abgebrochen, das aufgezeichnete Material könnte nicht gesendet oder verkauft werden – und das Publikum wäre höchst verärgert.

Die Zuhörer erwarten Qualität. Dies gilt umso mehr, je mehr Geld sie ausgeben müssen, z.B. für den Eintritt. Leidet die Audioqualität, dann empfinden die Zuhörer die Darbietung als minderwertig und werden auch anderen abraten, teilzunehmen.

Eine existenzbedrohende Situation für die Produzenten, die in der Regel eine Veranstaltung vorfinanzieren. Sie mieten den Veranstaltungsort und die benötigte Technik, bauen das Bühnenbild, betreiben Marketing, beschäftigen Techniker und verpflichten die Künstler.

Die Qualitätserwartung der Zuhörer und Zuschauer gilt auch für TV- und Radioübertragungen. Aus diesem Grund hat der Rundfunk Primärnutzerstatus: Er soll bei der Ausstrahlung seiner Programme vor Störungen durch andere Spektrumsnutzer geschützt werden. Die Produktion der ausgestrahlten Inhalte erfolgt jedoch auf Sekundärnutzer-Basis und ist somit nicht gegen Störungen geschützt – ein gravierender Widerspruch. Um insbesondere bei Livesendungen die Sendequalität sicherzustellen, muss der Status drahtloser Produktionsmittel künftig auf das gleiche Niveau angehoben werden wie das der Ausstrahlung. Das heißt: primärer oder co-primärer Nutzerstatus.

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3. Warum braucht PMSE ausgerechnet das UHF-TV-Band?

Drahtlose Produktionsmittel arbeiten im Wesentlichen im UHF-TV-Bereich: Bis die Mobilfunkbetreiber ihr Netz ausbauen, umfasst er (noch) die Frequenzen von 470 bis 790 MHz. Dieses Frequenzspektrum hat besonders günstige physikalische Eigenschaften. Die Funkwellen breiten sich dort so aus, dass trotz geringer Sendeleistung Reichweiten von 100 Metern und mehr möglich sind. Außerdem können Bühnenkulissen durchdrungen werden und Moderatoren und Künstler sich im Publikum bewegen, ohne dass das Tonsignal leidet. Für die heute bekannten Unterhaltungsformate ist dies unabdingbar.

Das Frequenzspektrum bietet noch weitere technische Vorteile: Wenn sehr viele drahtlose Strecken gleichzeitig im Einsatz sind, können diese unmittelbar nebeneinander betrieben werden, ohne dass sie sich gegenseitig stören. Außerdem können die Antennen relativ klein konstruiert werden und haben trotzdem einen hohen Wirkungsgrad.

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4. Wo kann PMSE in Zukunft noch senden? Gibt es Ersatz für die verlorenen Frequenzen?

Es gibt Alternativen. Allerdings hat die Politik bislang keine geeigneten Frequenzen als Ersatz für die professionelle Nutzung rechtsverbindlich und langfristig-verlässlich ausgewiesen. Bei der Versteigerung des 800-MHz-Bandes („Digitale Dividende 1“) wurde den Mikrofonnutzern als Ersatz das L-Band zugesagt, um auf Dauer die Funktionsfähigkeit der Kultur- und Kreativwirtschaft zu erhalten. Das L-Band wurde mit der Versteigerung des 700-MHz-Bandes („Digitale Dividende 2“) aber stattdessen an den Mobilfunk vergeben.

Laut BNetzA steht theoretisch eine Bandbreite von 440 MHz für den Einsatz von PMSE zur Verfügung. Eine genaue Überprüfung hat aber gezeigt, dass der wesentliche Anteil der genannten Frequenzbereiche gestört oder für PMSE unbrauchbar ist. So etwa die Frequenzen unterhalb von 470 MHz, die entweder bereits durch Betriebs- und Regiefunk sowie Militär und andere Nutzer belegt sind oder Störungen z.B. durch Video-Wände, Energiesparlampen, Schaltnetzteile, Computernetzwerke etc. aufweisen. Aufgrund der physikalischen Eigenschaften (Wellenausbreitung, siehe Frage Nr. 3: „Warum braucht PMSE ausgerechnet das UHF-TV-Band?“) kommt nur Funkspektrum unterhalb von 2 GHz in Betracht.

Konkret müssen künftig folgende Frequenzbereiche frei von Störungen durch den Mobilfunk für PMSE zur Verfügung stehen:

  • 470 – 694 MHz (UHF-Spektrum zur gemeinsamen Nutzung mit TV)
  • 694 – 703 MHz (Schutzband zur 700-MHz-Mobilfunknutzung)
  • 733 – 758 MHz (Duplex-Lücke im 700-MHz-Band)
  • 821 – 832 MHz (Duplex-Lücke im 800-MHz-Band)
  • 1.350 – 1.400 MHz (EU-Empfehlung für drahtlose Produktionsmittel; Rec 70-03)
  • 1.492 – 1.518 MHz (EU-Empfehlung für drahtlose Produktionsmittel; Rec 70-03)
  • 1.518 – 1.525 MHz (EU-Empfehlung für drahtlose Produktionsmittel; Rec 70-03)
  • 1.525 – 1.559 MHz (gering genutztes Satellitenband – Vorschlag aus England)
  • 1.785 – 1.805 MHz (EU-Empfehlung für drahtlose Produktionsmittel; Rec 70-03)
  • 1.880 – 1.920 MHz (DECT-Band in der EU)
  • Bewusst nicht gelistet sind hier die WLAN Bereiche, da diese aufgrund der unkoordinierten vielfältigen Nutzung keine verlässlich störungsfreien drahtlosen Produktionen ermöglichen.

Diese Spektren müssen für mindestens 15 Jahre verlässlich zugewiesen werden, also bis mindestens 2030, da jeder Frequenzbereich eine eigene Technik erfordert und Anwender sonst nicht bereit sind, in Geräte für die jeweiligen Bereiche zu investieren. Wegen der langen Vorlaufzeiten in der Regulierung sollte die Bundespolitik bereits im Laufe des Jahres 2016 die Ersatzfrequenzen bestimmen und so die Zeit nutzen, die sie mit dem Aufschub einer „Digitalen Dividende 3“ durch die Weltfunkkonferenz 2015 gewonnen hat.

 

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5. Wie viel Spektrum braucht PMSE?

Diese Frage wurde von der Bundesnetzagentur bereits im Jahr 2008 in einer offiziellen Studie untersucht. Dabei wurde im Zentrum von Berlin ein täglicher Bedarf von 96 MHz Bandbreite für drahtlose Produktionsmittel festgestellt.

In der Studie wurde nur der Tagesbedarf untersucht. Bei Großveranstaltungen von nationalem und internationalem Interesse wird wesentlich mehr benötigt: Oft das gesamte derzeit vorhandene UHF-TV-Spektrum – in Summe rund 320 MHz. Beispiele sind der Eurovision Song Contest, Landtags- oder Bundestagswahlen, Fußball-Spitzenspiele (DFB-Pokal, Champions League) und Olympische Spiele, Weltmeisterschaften, Open Air Konzerte, Freiluft-Theater-Veranstaltungen, auch z.B. ein Papst-Besuch.

Bis heute hat die Bundespolitik nicht beantwortet, wie nach dem Wegfall des 700-MHz-Bandes solche Ereignisse noch realisiert werden sollen und wie das Wachstum der Branche abgebildet werden wird. Ohne Ersatzspektrum wird es massive Einschränkungen geben, Deutschland gerät als Austragungsort und als Standort für die Kultur- und Kreativwirtschaft international ins Abseits.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass sich seit 2008 der Bedarf an Frequenzen massiv erhöht, weil immer mehr drahtlose Produktionsmittel eingesetzt werden.

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6. Warum will die Programm- und Veranstaltungsproduktion (PMSE) den Status als Primärnutzer?

Drahtlose Produktionsmittel waren stets Sekundärnutzer neben dem Rundfunk (früher analoges, jetzt digitales Antennenfernsehen DVB-T). Früher, als es noch genug Frequenz-Lücken zwischen den einzelnen Fernsehkanälen gab, verursachte das keine Probleme. Diese Zeiten sind allerdings seit der „Digitalen Dividende“ vorbei.

In Zukunft brauchen drahtlose Produktionsmittel den Status als primärer oder co-primärer Nutzer, um die Störsicherheit von Produktionen sicher zu stellen. Dann können sie nicht mehr so leicht eingeengt, verdrängt und vertrieben werden. Die Programm- und Veranstaltungsproduktion muss sich nach ihrem Frequenzbedarf entfalten können. Sonst wird sie dem Publikum künftig weder die bekannten zeitgemäßen Formate, noch die gewünschte Qualität bieten können. Auch eine Weiterentwicklung kann dann nicht stattfinden.

Die Zuhörer und Zuschauer erwarten bei Radio- und Fernsehsendungen Qualität. Aus diesem Grund hat der Rundfunk Primärnutzerstatus: Er soll bei der Ausstrahlung seiner Programme vor Störungen durch andere Spektrumsnutzer geschützt werden. Die Produktion der ausgestrahlten Inhalte erfolgt jedoch auf Sekundärnutzer-Basis und ist somit nicht gegen Störungen geschützt – ein gravierender Widerspruch. Um insbesondere bei Livesendungen die Sendequalität sicherzustellen, muss der Status drahtloser Produktionsmittel künftig auf das gleiche Niveau angehoben werden wie das der Ausstrahlung. Das heißt: primärer oder co-primärer Nutzerstatus.

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7. Warum nimmt der Einsatz von drahtlosen Produktionsmitteln stetig zu? Warum nicht Kabel?

Seit 2008 hat der Einsatz drahtloser Produktionsmittel kontinuierlich zugenommen. Die Hersteller gehen von einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 10 Prozent aus. Hauptgründe dafür sind die große Flexibilität bei der Anwendung und niedrige Kosten. Außerdem sichern Sprachverständlichkeit und Tonqualität den Erfolg von Veranstaltungen.

Funkmikrofone schränken die Bewegungsfreiheit auf einer Bühne nicht ein und eröffnen so neue Gestaltungsmöglichkeiten. Schon ein einfacher Vortrag wirkt lebhafter, wenn sich der Referent frei bewegen kann und nicht nur hinter einem Pult stehen muss. Er kann dann besser mit dem Publikum interagieren und kommunizieren. Dieser Effekt setzt sich fort bis zu den Stars, die nur mit drahtloser Technik ihre künstlerische Freiheit auf der Bühne so entfalten können, wie ihre Fans es selbstverständlich gewohnt sind.

Die Flexibilität zeigt sich auch beim Auf- und Abbau der Technik. Früher mussten aufwendig Kabel verlegt und gegen Unfälle gesichert werden. Dies entfällt bei drahtlosen Verbindungen. Das spart Zeit und Personal. Auch die Miete für einen Veranstaltungsort ist geringer, weil die Auf- und Abbauzeiten kürzer sind. Da auch in der Veranstaltungsbranche der Kostendruck steigt, ist die drahtlose Technik ein wesentlicher Rationalisierungsfaktor.

Flexibilität bedeutet aber auch, dass der Aufbau und die Anzahl der genutzten Mikrofone kurzfristig veränderten Bedingungen angepasst werden kann: Mikrofone können an anderen als den geplanten Orten aufgestellt werden oder ihre Zahl kann unkompliziert erhöht werden.

Ein „Zurück zum Kabel“ ist keine Option und wäre der Todesstoß für viele Veranstaltungen und Sendungen, wie wir sie heute kennen: Zum Beispiel für Fernsehshows und moderne Musicals. Außerdem das Aus für eine starke Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland.

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E) Frequenzbedarf des Mobilfunks

 

1. Wieviel Spektrum braucht der Mobilfunk?

Die EU-Kommission hat für das Jahr 2015 vorausgesagt, dass der Mobilfunk eine Bandbreite von 1.200 MHz an Spektrum benötigen wird. Diesen Bedarf hat die Bundesnetzagentur zum Maßstab ihres Handelns gemacht.

2014 hat das international tätige Telekommunikations-Beratungsunternehmen LS telcom untersucht, ob tatsächlich ein Bedarf von 1.200 MHz besteht. Dabei hat es festgestellt, dass bei der Berechnung praxisfremde Annahmen zugrunde gelegt wurden. So wurde z.B. eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 220.000 Menschen pro Quadratkilometer angenommen, obwohl die höchste Bevölkerungsdichte in Europa 17.889 Personen pro Quadratkilometer beträgt (in Monaco).

LS telcom kommt zu dem Ergebnis, dass bisher nur rund 50% des für den Mobilfunk zur Verfügung stehenden Spektrums auch genutzt wird. Auf absehbare Zeit besteht daher keine Notwendigkeit, dem Mobilfunk weiteres Spektrum zuzuweisen. Die Politik steht nicht unter Zugzwang, sondern hat ausreichend Zeit für die Entwicklung dauerhafter und verlässlicher Lösungen für alle Spektrumsnutzer.

Download: Zusammenfassung der Untersuchungen von LS telcom

  LS telcom_Welchen tatsächlichen Spektrumsbedarf hat der Mobilfunk.pdf (518,2 KiB, 827 hits)

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2. Warum will der Mobilfunk das UHF-TV-Band, wenn er es nicht braucht?

Der Mobilfunk will das UHF-TV-Band (470 bis 862 MHz) vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Er erhofft sich daraus sowohl Kosteneinsparungen als auch zusätzliche Einnahmen.

Aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften (Wellenausbreitung) ist der Frequenzbereich geeignet, mit nur wenigen Sendestationen große Gebiete mit mobilem Internet zu versorgen. Das bedeutet geringe Investitionen, geht aber auf Kosten der Bandbreite bzw. Schnelligkeit: Je mehr Nutzer in dieser großen Funkzelle ins Internet gehen, desto langsamer wird es für jeden Einzelnen. Deshalb eignet sich das UHF-TV-Band nur in sehr dünn besiedelten Gebieten für die Internetversorgung über Funk.

Die Mobilfunkbetreiber könnten auch in ihren vorhandenen 800-MHz-, 900-MHz- und 1.800-MHz-Frequenzen mobiles Internet ausbauen. Dafür ist aber ein sehr viel dichteres Sendernetz aus Basisstationen notwendig, was entsprechend teurer ist.

Experten vermuten weiter, dass der Mobilfunk sich mit der Digitalen Dividende wertvolles Spektrum „auf Halde“ sichern möchte, da er in die TV-Übertragung einsteigen will. Der Mobilfunk glaubt, darin eine langfristig gesicherte Einnahmequelle gefunden zu haben. Die Folgen für die Zuschauer: Neben der Rundfunkgebühr müssten die Kosten für den Empfang bezahlt werden – eine deutliche Preiserhöhung droht.

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