Teil 3 unserer Reihe zur Weltfunkkonferenz 2019

Künstler und Schauspieler warnen vor Frequenzabbau bei Weltfunkkonferenz

Die Weltfunkkonferenz, die Ende Oktober 2019 in Ägypten beginnt, wirft ihre Schatten voraus. Voller Sorge blicken vor allem Künstler und Schauspieler auf das Treffen. Sollten sich manche Staaten und die Telekommunikationswirtschaft durchsetzen, droht dem für die Kultur- und Kreativwirtschaft wichtigen Frequenzband zwischen 470 und 694 MHz eine co-primäre Zuweisung an den Mobilfunk.

Aus diesem Grund ist wichtig zu erklären, was ein Verlust des Frequenzbandes zwischen 470 und 694 MHz („Digitale Dividende 3“), oder auch nur eines Teiles davon (600er-Band) für die deutsche Kulturszene bedeuten würde. Denn eine co-primäre Zuweisung an den Mobilfunk steht faktisch, das zeigen die Erfahrungen der Vergangenheit, für ein Herausdrängen der Funkmikrofone.

Wir haben Experten unterschiedlicher Sparten und Musikrichtungen gefragt, was die Folgen eines weiteren Frequenzverlustes für die Kultur- und Kreativwirtschaft wären.

1. Kelly Family

Der Frequenzmanager der Kelly Family, Michael Weber, erklärt die Situation wie folgt:

„Sollte das 600er Band wegfallen und trotzdem die TV-Kanäle im Bereich 470 – 598 MHz weiter aktiv sein, würde die Show der Kelly Family mit aktuell 46 Funkenstrecken (mit Backup: 60 Frequenzen – zzgl. der lokal eingesetzten Frequenzen im entsprechenden Bereich) nicht mehr störungsfrei stattfinden können. Es müsste eine Reduzierung um rund ein Viertel der Funkstrecken stattfinden – mit der entsprechenden Auswirkung auf die gestalterische Umsetzung der Show.“

Die Frequenzen im Bereich 1,7 oder 2,4 GHz betrachtet er, aufgrund der Vielzahl von semiprofessionellen Anwendern sowie der physikalisch eingeschränkten Reichweite, als keine entsprechende Alternative.

2. Nationaltheater Weimar

Ähnlich äußert sich das Nationaltheater Weimar. Wäre dort ein Theaterbetrieb auch möglich komplett ohne UHF-Frequenzen (ab 470 MHz aufwärts)? „Nein“, berichtet Pressereferentin Susann Leine: „Sollten weitere UHF-Frequenzen ausverkauft werden (470-697 MHz), wären wir nicht mehr spielfähig.“

3. Mainfranken Theater Würzburg

Über die praktischen Folgen der derzeit stattfindenden Umsetzung der „Digitalen Dividende 2“ heißt es von Tontechniker Nils Schumann, der für das Frequenzmanagement der drahtlosen Mikrofonie zuständig ist: „Wir haben einen erhöhten Aufwand, ein störungsfreies Setup einzurichten, und wir haben auch vermehrt eine Störungsanfälligkeit. Hervorzuheben ist, dass der Aufwand für jede zusätzlich benötigte Funkstrecke exponentiell steigt. Oder anders gesagt: Der benötigte Platz im Frequenzspektrum ist für 20 Strecken im Vergleich zu 10 Strecken nicht etwa doppelt so breit, sondern fast 10 Mal so breit. Er steigt mit jeder weiteren Strecke also exponentiell an. 5 oder 6 Strecken sind faktisch nie ein Problem. Sportlich wird es erst darüber.“ Außerdem heißt es aus dem Mainfranken Theater Würzburg, dass ohne den Bereich oberhalb 470 MHz ein Theaterbetrieb zwar denkbar wäre, „jedoch ohne jegliche drahtlosen Mikrofone“.

4. Revuetheater Friedrichstadt-Palast Berlin

Der Friedrichstadt-Palast kann aufgrund des Spektrummangels nur 68 Funkstrecken nutzen. (Hinzu kommen weitere Funkstrecken für den Sicherheitsbereich.) Mit 68 Funkstrecken sind eine ganze Reihe von fantastischen Veranstaltungen möglich – allerdings kommt das Revuetheater damit auch an die Grenzen seiner Machbarkeit. Gerne würde man mehr Funkstrecken nutzen können, um die Choreografien noch ausgefeilter und die Darbietungen noch außergewöhnlicher zu machen, erklärten jüngst die Toningenieure des Theaters gegenüber Bundestagsabgeordneten. Das ist aber nicht möglich, weil Frequenzbänder schon heute fehlen.

Fazit

Nach den immensen Spektrumsverlusten durch die „Digitale Dividende 1“ (2010) und die „Digitale Dividende 2“ (2015) droht der deutschen Kultur nun ein weiterer harter Schlag. Und obwohl Ersatzspektrum immer mal wieder ausgewiesen wurde, bleibt ein Nettoverlust an Spektrum bei wachsendem Bedarf und wachsender Kultur. Zudem ist das Ersatzspektrum teilweise störanfällig, nicht europäisch harmonisiert, oder es gibt es keine Geräte im Markt.

Das für die Kultur- und Kreativwirtschaft wichtige Frequenzband zwischen 470 und 694 MHz muss daher mindestens bis zum Jahr 2030 erhalten bleiben!

 

(Das Beitragsbild zeigt das “Große Haus des Mainfranken Theaters”; Foto: Mainfranken Theater / Inka Kostan)

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