Der Musiker und Produzent Martin Engelien im Gespräch

„Michael Jackson oder Pink ohne Funkmikrofon? Nicht vorzustellen!“

Martin Engelien wurde bekannt als Bassist der Klaus Lage Band mit dem Lied 1000 und 1 Nacht. Im Jahr 1999 stieg er als Bassist in Peter Maffays Rockshow „Tabaluga & Lilli“ ein und gründete drei Jahre später sein eigenes Label „A1 Records“ und den Flower-Town-Musik Verlag. Engelien gehört zu den bekanntesten Musikern und Produzenten Deutschlands. Die Initiative „SOS – Save Our Spectrum“ traf Engelien beim Besuch der fantastischen Pink-Floyd-Ausstellung „Their Mortal Remains“ im Dortmunder U (die multimediale Erlebnisausstellung ist bis 10.2.2019 zu sehen; als Audiopartner sorgt Sennheiser für einzigartige Sound-Erlebnisse).

Was ist Ihnen in Ihrer Musik besonders wichtig?

Ich denke, das Wichtigste ist für mich, dass ich den Menschen, die zu meinen Konzerten kommen, Freude bereite. Entertainment geht über alles, egal ob mit fulminanter Bühnenshow oder einfach nur mit musikalischer Präsenz. Wenn ich erlebe, dass Menschen mit leuchtenden Augen aus Konzerten gehen, ist alles erreicht.

Martin Engelien, Musiker und Produzent
Foto: Markus Roosen

Welche Erwartungen hat ein heutiges Publikum an Musiker, die es früher nicht gab?

Ich bin der Meinung, dass sich die Erwartungshaltung des Publikums nicht großartig geändert hat, sondern die Rahmenbedingungen. Menschen gehen nach wie vor gerne zu einem Konzert und freuen sich darauf. Je teurer es ist, desto höher ist die Erwartung, dass dafür auch was geboten wird. Und das Gebotene ändert sich logischerweise mit Fortschreiten der Technologie und wird zur Normalität. In den 1980er Jahren sind wir mit 240 kW Licht auf Traversen aufgetreten, heute weist ein Bruchteil der Leistung eine weitaus höhere Effizienz auf.

Mit der jahrzehntelangen Erfahrung als Musiker: Wie wichtig sind dabei drahtlose Mikrofone?

Erst die Erfindung des drahtlosen Mikrofons hat akrobatische Bühnenshows ermöglicht. Michael Jackson, Pink oder ähnliche Acts drahtgebunden? Nicht vorzustellen….

Wie hat sich das Tonmanagement im Laufe der Zeiten verändert?

Durch Digitalisierung im Tonmanagement ist alles sehr viel kleiner, einfacher und zeitlich effektiver geworden. Der Monitormann geht mit seinem Tablet von Musiker zu Musiker und hört sofort die Monitoreinstellung ohne große Talk Back Arien oder Zurufen, was auf einer lauten Bühne immer mit Problemen behaftet ist. Ebenso lässt sich damit der FOH Sound in der Halle an vielen Stellen perfektionieren (FOH = Front of House, vor der Bühne). Oder die Möglichkeit eines jeden Musikers, seinen Sound z.B. im In-Ear selbst einzustellen und per Handy zu überwachen. Allerdings: Das Know-how ist immer noch die wichtigste Grundlage für einen guten Sound!

Welche Live-Erfahrungen möchten Sie als Musiker und Produzent nicht missen?

Live ist Live und passiert immer jetzt. Es lässt sich nicht zurück- oder vorspulen, man kann keine Fehlerkorrektur vornehmen. Das ist für mich das Größte. Man musiziert im Moment für den Moment – pur. Manchmal passieren dabei Sachen, auf die man sofort reagieren muss, allerdings ohne den Fluss zu unterbrechen. Nicht nur musikalische Improvisation ist angesagt! Diese Erfahrungen helfen ungemein, als Musiker und auch als Produzent bei Arbeiten im Studio. Außerdem kann ich für mich sagen, dass das Gefühl nach einem Konzert zu den glücklichsten Momenten im Leben gehört. Der Geruch der Bühne, das Gefühl im Körper, das kann kein Fitness Studio erzeugen. Lebensessenz pur!

 

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