Interview mit Jonas Gottschall, Leiter der Tonabteilung im Theater Freiburg

„Mit der Freischaltung von DVB T2 waren Frequenzen nicht mehr nutzbar“

Das Theater Freiburg vereint vier Spielstätten unter einem Dach: das Große Haus, das Kleine Haus, die Kammerbühne und den Werkraum. Leiter der Tonabteilung ist Jonas Gottschall. Im Interview mit der Initiative „SOS – Save Our Spectrum“ berichtet er von jüngsten Störungen im Tonbetrieb. Gottschall ist seit knapp sechs Jahren am Theater in Freiburg fest angestellt. Er ist ausgebildete Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Ihm gefällt die Abwechslung in seinem Beruf – und auch der künstlerische Aspekt, deshalb arbeitet er am Theater. „Es macht nach wie vor großen Spaß, wenn alles funktioniert“, sagt er.

Jonas Gottschall, Leiter der Tonabteilung am Theater Freiburg
Foto: Theo Granzin

Haben Sie ausreichend Funkfrequenzen für Ihre Veranstaltungen und Aufführungen?

Wir haben vor fünf Jahren für alle Spielstätten neue Drahtlossysteme gekauft, da die alten Systeme nicht mehr zulässig waren. Mit dem neuen System haben wir derzeit noch ausreichend Frequenzen.

Spüren Sie bereits die Folgen der “Digitalen Dividende 2“, der Versteigerung von Kulturfrequenzen an den Mobilfunk – etwa durch Tonstörungen oder einen erhöhten Aufwand Ihrer Tontechniker?

Wir haben mit der Freischaltung von DVB T2 in Freiburg mehrere Frequenzen von einem Tag auf den anderen nicht mehr nutzen können und mussten daher unser komplettes Frequenzsetting neu berechnen. Unsere Schwerhörigenanlage, die noch in der sogenannten Mittenlücke (823 – 832 MHz) lief, mussten wir diese Spielzeit austauschen.

Die Frequenz war bei leerem Zuschauerraum noch funktionstüchtig, sobald sich dann aber Zuschauer und damit auch Handys einfanden, war auf der Frequenz nur noch ein Rauschen zu hören.

Wäre ein Theaterbetrieb bei Ihnen auch möglich komplett ohne UHF-Frequenzen (ab 470 MHz aufwärts), falls diese, wie manche befürchten, wegfallen?

Wir haben seit einiger Zeit grade im Schauspiel vermehrt Lavaliermikrofone zur Verstärkung der Schauspieler im Einsatz, eine solche Verstärkung wäre ohne Drahtlossystem nicht zu realisieren. Und Musicals ohne Funkmikrofone wären wohl kaum noch machbar.

Ich bin mir trotz allem sicher, dass sich auch nach einem Wegfall der UHF Frequenzen wieder Hersteller finden werden, die neue Systeme in anderen Bereichen anbieten, wenn die Politik dafür geeignete Frequenzen ausweist. Es wird dann aber wohl wieder darauf hinauslaufen, dass wir viel Geld in die Hand nehmen müssen und Systeme, die theoretisch noch super funktionieren, ausrangieren müssen.

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