Die Schauspielerin Julia Holmes im Interview

„Ohne Funkmikrofone würde die Theater- und Musicalbranche eingehen“

Die Hamburgerin Julia Holmes ist Schauspielerin im Fernsehen („Tatort“, „Danni Lowinski“, „Morden im Norden“), vor allem aber am Theater. Ihre Leidenschaft ist die Bühne. Studiert hat die Deutsch-Australierin an der Staatlichen Folkwang-Hochschule in Essen; zudem kann sie eine bestandene Musicalprüfung vorweisen. Gerade im Musiktheater seien Funkmikrofone wichtige Werkzeuge der Vermittlung künstlerischer Darbietung, sagt die Künstlerin. Zuletzt spielte Holmes in „Wie im Himmel“ bei den Burgfestspielen Jagsthausen und im Altonaer Theater, zuvor war sie auch in der Komödie Winterhuder Fährhaus, im Theater Konstanz, im Theater Dortmund und im Stadttheater Bern zu bewundern.

Frau Holmes, wie nutzen Sie Funkmikrofone bei der Arbeit?
Ich will Ihnen ein Beispiel geben: Bei den Burgfestspielen in Jagsthausen haben wir ein Kindermärchen gespielt. Am Ende des Stückes tanzen alle Hexen auf der Bühne, unter dicken Masken aus Gips. Dabei singen wir live. Das geht natürlich nur mit Funkmikrofonen, die wir als Headseats tragen. Stellen Sie sich vor, wir müssten hier Kabelmikrofone tragen – dann könnten wir definitiv nicht tanzen. Wir würden ständig über die Kabel fallen.

Man könnte den Gesang aber vom Band ablaufen lassen.
Das wollen wir gerade nicht. Wir wollen live und authentisch auftreten. Das geht nicht ohne Funkmikrofon.

Julia Holmes, Schauspielerin

Man könnte den Tanz weglassen, dann würden Kabelmikrofone funktionieren.
Auf diese Diskussion sollten wir uns Künstler gar nicht einlassen. Ohne Funkmikrofone müssten wir ganze Choreographien ändern. Die Aufführungen sähen ganz anders aus als heute. Für die Zuschauer würde es langweiliger. Ich lebe in der Musicalstadt Hamburg. Ohne Funkmikrofone könnte hier ein ganzer künstlerischer Bereich dichtmachen.

Schauspieler haben ja oft – zumindest im Sprechtheater – das Selbstverständnis, ohne Headset aufzutreten.
Ja. Gute Schauspieler mit einer sehr guten Sprechausbildung schaffen es auf Bühnen kleinerer oder mittlerer Größe auch ohne Mikrofon. Nun bin ich neulich im wunderbaren Kulturzentrum Stadeum in Stade aufgetreten, und dort sagte man uns: Die Zuschauer wollen Mikrofone, weil sie manche Schauspieler sonst nicht durchgehend gut verstehen. Deshalb wurden neun Mikroports eingerichtet. Das verstehe ich. Wir spielen ja nicht nur für Leute mit einem absoluten Gehör, sondern auch für Leute, die vielleicht nicht mehr so gut hören können. Die sollen auch eine Chance haben, ins Theater gehen zu können.

Haben Sie schon einmal Tonstörungen erlebt?
Nein, bisher nicht. Die Tonleute machen immer einen echt guten Job.

Spricht man unter Schauspielern über den drohenden Frequenzmangel?
Nicht wirklich. Um ehrlich zu sein: Wir konzentrieren uns auf die künstlerische Darbietung. Ich weiß nur, wir brauchen ausreichend Frequenzen für Funkmikrofone. Sonst sind viele Produktionen tot, und die Musicals sowieso. Unser Ton muss auch Bühnenkulissen durchdringen können. In der Hexenproduktion bei den Burgfestspielen in Jagsthausen sitzen wir in einer Szene in den Hexenhäuschen. Da muss dann unser Ton auch die Hauskulisse durchdringen. Wenn ich es mir so recht überlege: Ohne Funkmikrofone könnte man so ein Stück gar nicht richtig aufführen. Es wäre total eindimensional. Man wäre in seiner künstlerischen Gestaltungsfreiheit massiv eingeschränkt.

(Das Interview wurde am 7. Januar 2018 geführt.)

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