PMSE-xG Projektgruppe präsentiert Ergebnisse

Die digitale Zukunft der Funkmikrofone

Auf dem Gelände der Bavaria Filmstadt wurden am heutigen 16. März 2018 die Ergebnisse des Forschungsprojekts „PMSE-xG“ (Programme Making and Special Events – Next Generation) vorgestellt. Das mit Mitteln des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderte Projekt hat analysiert, ob und wie drahtlose Produktionsmittel den neuen Übertragungsstandard 5G nutzen können. Dieser Standard soll ab dem Jahr 2020 schrittweise eingeführt werden. Die Untersuchungen im Rahmen von PMSE-xG haben sich dabei nicht nur mit den technischen Standards auseinandergesetzt. Vielmehr war ein weiterer Schwerpunkt die Entwicklung künftiger Geschäftsmodelle und die für eine erfolgreiche Umsetzung notwendige Regulierung des Spektrumszuganges seitens der Bundesnetzagentur.

Geringe Latenzzeiten dank 5G
Im Gegensatz zu LTE zeichnet sich 5G durch eine hohe Übertragungskapazität und eine Verbreitung nahezu in Echtzeit aus. Die Verzögerung (Latenz) beträgt lediglich eine Millisekunde. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen ist diese Latenz beispielsweise für Musiker kaum noch wahrnehmbar und kommt der analogen Übertragung sehr nahe. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Betriebssicherheit, die bei professionellen Produktionen keine Störungen zulässt. In 5G wird dies „Ultra High Reliability“ genannt.

Standardisierung ist erforderlich
Damit in Zukunft 5G in Funkmikrofonen eingesetzt werden kann, müssen die dazu notwendigen Anforderungen in den 5G-Standard implementiert werden. Diese Standardisierung erfolgt in der weltweit operierenden 3GPP Arbeitsgruppe (3rd Generation Partnership Project), in der alle Standardisierungsgremien zusammenarbeiten. Werden die Erkenntnisse aus dem PMSE-xG Projekt übernommen und umgesetzt, stehen die Chancen gut, dass PMSE ebenfalls den 5G Standard und dessen Frequenzen nutzen kann. Das gilt natürlich nur, wenn die Regulierung für Produktionen einen eigenen 5G Netzaufbau und Netzbetrieb zulässt. Dies hat die Bundesnetzagentur in ihren Planungen allerdings bereits vorgesehen: Nicht nur für PMSE, sondern auch für andere vertikale Industrien, die ähnlich hohe Qualitätsanforderungen haben.

Frequenzen bereitstellen
Um in Zukunft digitale Mikrofone auch einsetzen zu können, müssen hierfür zunächst die notwendigen Frequenzen zur Verfügung stehen. Aktuell plant die Bundesnetzagentur, die Bereitstellung von 100 MHz von 3,7 – 3,8 GHz für 5G-Netze, die nicht vom Mobilfunk, sondern von jedem Unternehmen genutzt werden können. So kann beispielsweise bei einer Veranstaltung, wenn nötig, ein eigenes Funknetz aufgebaut werden. Gleichzeitig müssen Auflagen für den Mobilfunk definiert werden. Er sollte verpflichtet werden, bei Bedarf einen Teil seiner Übertragungskapazitäten für den Einsatz digitaler Funkmikrofone zur Verfügung zu stellen.

Schulterschluss aus Industrie und Forschung: Das PMSE-xG Konsortium

Schulterschluss der Industrie für 5G
Neben der Förderung durch das BMVI war ein Konsortium aus namhaften Unternehmen der relevanten Branchen für das PMSE-xG Forschungsprojekt federführend verantwortlich: die Firmen Sennheiser, Arri, Robert Bosch, Intel, Smart Mobile Labs sowie das Fraunhofer Heinrich Hertz Institut, die Universität Nürnberg-Erlangen und die Leibniz Universität Hannover in Kooperation mit Nokia, Qualcom, Telefonica, APWPT und IRT.

„Die Erkenntnisse aus dem PMSE-xG Projekt sind ein erster Schritt auf dem Weg, drahtlose Produktionsmittel auf Grundlage der 5G Mobilfunktechnologien zu ermöglichen. Das Konsortium hat auch erste Rollenmodelle als Grundlage für neuartige Geschäftsmodelle entwickelt, die für alle vertikalen Industrien wie e-Health und Industrie 4.0 angewendet werden können“, erklärte Projektleiter Dr. Andreas Wilzeck. „Es ergeben sich durch 5G neue Möglichkeiten. PMSE-xG wird es dem Besucher eines Konzertes in Zukunft zum Beispiel ermöglichen, auszuwählen, ob er ein bestimmtes Instrument über seine Kopfhörer besonders hervorgehoben hören will. Das kann ein Gitarrenriff oder eine Oboe in einem klassischen Konzert sein.“ Außerdem sind Zusatzdienste für Menschen mit eingeschränktem Hör- oder Sehvermögen möglich.

Voraussetzung dafür wäre jedoch, dass der Veranstalter temporär sein eigenes 5G-Netz aufbauen kann – oder auch permanent, wenn es sich um ein Theater, Musical oder ein Konferenzzentrum handelt.

Ausblick in eine digitale Zukunft
Nach Abschluss des Projektes beginnt die Industrie nun, erste Geräte basierend auf den Erkenntnissen aus PMSE-xG zu entwickeln. Diese sollen in einem weiteren Forschungsprojekt, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), erprobt werden. Die Industrie hofft, mit dem Ausrollen von 5G entsprechende Geräte auf den Markt zu bringen, wenn bis dahin die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen wurden. Dazu gehört auch die Entwicklung von Chips für PMSE-Anwendungen und Basisstationen für den eigenen 5G-Netzaufbau und Betrieb.

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