Große Probleme in den USA

„Digitale Dividende 3“ kostet 100 Millionen Dollar

Das renommierte US-Technologie-Magazin „Wired“ hat in einer Reportage über die Folgen der Vergabe des 600 MHz-Bandes an den Mobilfunk in den USA berichtet. In Deutschland wird dies unter dem Stichwort „Digitale Dividende 3“ diskutiert. Der Bereich ist in den USA für drahtlose Produktionsmittel – wie Funkmikrofone – nach und nach nicht mehr nutzbar. Autor des Artikels mit dem Titel „The Strange David and Goliath Saga of Radio Frequencies” (Die seltsame Sage über David und Goliath der Radiofrequenzen) ist David Zweig.

Er berichtet von einer E-Mail-Nachricht, die die Leiterin der Theatergruppe seiner Kinder verschickt habe. Darin bat sie verzweifelt um 16.000 US-Dollar für das „Random Farms Kindertheater“ in Westchester (New York), die rasch gesammelt werden müssten. Wenn das Geld nicht rechtzeitig zusammen käme, werde es ein ernsthaftes Problem bei den Aufführungen geben, weil niemand die Schauspieler hören könne.

Zehntausende Gruppen müssen neue Mikrofone kaufen

„Random Farms und Zehntausende andere Theatergruppen, Schulen, Kirchen, Rundfunkanstalten und unzählige andere Betroffene im ganzen Land müssen neue drahtlose Mikrofone kaufen. Die Mehrheit der professionellen drahtlosen Audio-Geräte in Amerika wird bald obsolet“, schreibt „Wired“: „Die Shakespeare Theatre Company in Washington DC wird 50.000 US-Dollar für neue Mikrofone ausgeben müssen“, wird Tom Haygood, der Produktionsleiter, zitiert.

Geschätzter Gesamtschaden in den USA für alle Theatergruppen, Schulen, Kirchen usw. bis zum Jahr 2020: Über 100 Millionen US-Dollar.

Das 600 MHz-Spektrum, das nicht mehr zur Verfügung steht, wurde in den Jahren 2016 und 2017 von Mobilfunkunternehmen ersteigert. Der größte Käufer, T-Mobile, gab nach „Wired“-Informationen knapp 8 Milliarden US-Dollar dafür aus. Das Unternehmen nutzt den neuen Frequenzbereich, um seine LTE-Abdeckung zu erhöhen und den Grundstein für sein 5G-Netzwerk zu legen. Im August 2017 hat T-Mobile begonnen, das erworbene Spektrum in einigen Regionen zu übernehmen. Im Jahr 2020 soll der Prozess abgeschlossen sein.

Übriggebliebene Frequenzen sind oft untauglich

Zu den Frequenzen, die jetzt noch für die Kultur- und Kreativwirtschaft übrig bleiben, schreibt „Wired“: „Es gibt eine kleine Anzahl von Frequenzen in anderen Bereichen des Spektrums, in denen drahtlose Mikrofone technisch funktionieren können. Diese funktionieren aber nur mit Leistungseinbußen oder anderen Einschränkungen, die sie für viele Benutzer praktisch nicht verfügbar machen.“

Großen Unternehmen werden auf Antrag Ersatzfrequenzen zugeteilt. Aber: Das gilt nur für Nutzer mit 50 oder mehr Geräten. Deshalb sind etwa NFL-Spiele nicht betroffen (die 150 bis 200 Kanäle für Ansager, Produktionsmitarbeiter, Stadionpersonal, die Halbzeit-Show und die Mikrofone der Schiedsrichter nutzen). Auch der Broadway muss sich keine Sorgen machen.  Verlierer sind jedoch – unter anderem – die 30.000 Gemeinschafts- und Schultheater in den USA, sowie die Kirchen.

Externer Link zum „Wired“-Artikel vom 8. September 2018:

https://www.wired.com/story/wireless-mics-radio-frequencies-fcc-saga/

 

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