Entscheidung der EU-Kommission

Frequenzbereiche werden wieder nicht harmonisiert

Enttäuschung bei vielen Nutzern von drahtlosen Produktionsmitteln: Erneut hat die EU-Kommission eine Chance vertan, die Frequenzbereiche für PMSE (Programme Making and Special Events) in Europa zu harmonisieren. Das hätte vor allem grenzüberschreitend tätigen Künstlern, Musikern und Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft geholfen. Zuständig wäre dafür die Radio Spectrum Policy Group (RSPG) gewesen. Doch dort es gab erneut keine Entscheidung, die für PMSE-Nutzer so wichtigen Frequenzbänder 1350-1400 MHz und 1518-1525 europaweit zu harmonisieren.

„Wir haben eine gemeinsame Währung, gemeinsame Gesetze und einen grenzüberschreitenden Binnenmarkt. Es kann nicht sein, dass es bei der Frequenzzuteilung hapert“ – in diesen und ähnlichen Worten beklagen sich Nutzer von Funkmikrofonen. Kurios ist, dass sich die EU gleichzeitig problemlos über die Harmonisierung von Frequenzbändern für die Mobiltelefonie einigen konnte. So fand sich ein einfacher Konsens über die Harmonisierung der Bänder 1427-1452 MHz, 1452-1492 MHz und 1492-1517 MHz für die mobile Breitbandnutzung.

„Damit wiederholt sich ein bekannter Ablauf“, erklärt Matthias Fehr von der Association of Professional Wireless Production Technologies (APWPT): „Es besteht zwar Einigkeit bei der Nutzungsänderung von „Mikrofonfrequenzen“, es gibt aber keine gemeinsame Position für langfristig gesicherte Alternativen. Drahtlose Produktionsmittel haben damit unwiederbringlich mehrere 100 MHz verloren. Trotz wiederholter politischer Beteuerungen ist das Bereitstellen von Ersatzfrequenzen nur in Ansätzen in Europa erfolgt und harmonisiert.

Die meisten europäischen Länder sind sich zwar darin einig, dass Audio- und Video-PMSE für die Erfassung und Bereitstellung von sehr wertvollen Inhalten und Ereignissen eine wichtige Rolle spielen, aber sie haben erneut Schwierigkeiten, gemeinsam zu handeln, um neue Frequenzbänder für PMSE zu identifizieren und zuzuordnen – zum Nachteil der Kultur- und Kreativindustrie.“

Hintergrund:

Grundlage der Entscheidung ist der Durchführungsbeschluss 2018/661 der EU-Kommission vom 26. April 2018 (Aktenzeichen C (2018) 2286). Daraus geht hervor, dass es der EU-Kommission sogar bekannt ist, dass immer mehr Frequenzbänder für PMSE verloren gehen:

„Auf der WRC-15 [Weltfunkkonferenz 2015, Anm. von SOS] wurden die Frequenzbänder 1427-1452 MHz und 1492-1518 MHz weltweit für den Mobilfunk nach der Norm International Mobile Telecommunications (IMT) ausgewiesen. In der Region 1 der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), zu der die Europäische Union gehört, sind diese Frequenzbänder oder Teile davon auf gemeinsamer primärer Basis für den Mobilfunkdienst (mit Ausnahme des mobilen Flugfunkdienstes) und den festen Funkdienst sowie für den Weltraumfernwirkfunkdienst Erde-Weltraum zugewiesen worden. Darüber hinaus haben einige Mitgliedstaaten das Frequenzband 1452-1518 MHz für die Programmproduktion und Sonderveranstaltungen (Programme Making and Special Events, PMSE) zugewiesen.“

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