A-cappella-Erfolgsband UNDUZO: Interview zu Funkstörung in Frankfurt

„Ohne Funkmikrofone hätten wir ein großes Problem“

UNDUZO live auf der Bühne.

UNDUZO ist eine aufstrebende Band aus Freiburg, die ihr Publikum live mit abwechslungsreichen A-cappella-Darbietungen begeistert. Unterschiedliche Stilarten des Singens greifen mit Beatbox und live-geloopten Linien ineinander. Beheimatet in den zahlreichen Facetten der Popmusik, werden die Songs für Instrumente geschrieben und vokal arrangiert. In der Kleinkunstszene ist UNDUZO bereits etabliert und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet worden. Inzwischen treten die fünf Bandmitglieder verstärkt vor einem breiteren Publikum in immer größeren Locations auf.

Allzeit mit dabei: Matthias Klingner, freiberuflicher Ton- und Veranstaltungstechniker. Denn guter Sound ist ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs, ebenso wie die Bühnenshow. Sie lässt sich in ihrer Dynamik nur mit drahtloser Mikrofontechnik realisieren. Die Band setzt maximal 10 Funkstrecken auf der Bühne ein, dennoch ist die Frequenzknappheit nach der Digitalen Dividende 2 deutlich spürbar – bis hin zu einer Funkstörung bei laufender Vorstellung. Wir haben mit Matthias Klingner über real existierende Frequenzengpässe, ihre Auswirkungen und mögliche Wege aus der Knappheitsfalle gesprochen.

Herr Klingner, sagen Sie uns doch kurz etwas über die Band UNDUZO – für alle, die sie noch nicht kennen.

UNDUZO hat sich vor neun Jahren im Rahmen eines Projekts an der Musikhochschule Freiburg als fünfköpfige Männerformation gegründet. 2013 kam dann die Sängerin Linda Jesse dazu. Ich bin seit etwa zweieinhalb Jahren mit dabei. In den letzten Jahren professionalisiert sich die Band zusehends. 2016 hatten wir um die 60 Konzerte, auch in diesem Jahr werden wir zwischen 60 und 70 Konzerte spielen. In Deutschland und im näheren deutschsprachigen Ausland: Österreich, Schweiz, Luxemburg.

Und die Zuschauer werden mehr?

Ja. Der typische UNDUZO-Auftritt findet vor etwa 150-200 Zuschauern statt. Wir kommen aus der Kleinkunstszene – dort sind die meisten Locations auf ca. 200 Leute ausgelegt. Man hat immer einen guten und beinah intimen Kontakt zum Publikum. Weil UNDUZO aber neben guter Unterhaltung auch gute Musik bietet, werden größere Hallen um die vierhundert Sitzplätze immer häufiger. Im Sommer 2016 sind wir in Freiburg auf dem ZMF Musik-Festival aufgetreten, in einem großen Zirkuszelt, in das über 2.000 Leute passen. Im Juli werden wir unter anderem auf der Gartenschau in Bad Herrenalb spielen, wo es eine große Open-Air-Bühne gibt.

Was machen Sie genau?

Matthias Klingner.

Als freiberuflicher Ton- und Veranstaltungstechniker bin ich für den Live-Sound und die tontechnische Rahmenbetreuung verantwortlich. Zum Beispiel berate ich die Band, wenn es darum geht, neue Technik anzuschaffen. Außerdem mache ich die Funkkoordination für die drahtlosen Mikrofone und In-Ear-Monitoring-Strecken.

Haben Sie schon einmal eine Funkstörung erlebt?

Leider ja, erst vor kurzem und sogar während einer Vorstellung.

Was ist genau passiert?

Wir waren am 29. April 2017 im Neuen Theater Höchst in Frankfurt am Main zu Gast. Vorab habe ich einen ausführlichen Frequenzscan gemacht. Leider hat sich herausgestellt, dass nicht genug störungsfreie Frequenzen für unsere sieben Funkstrecken im C-Band vorhanden waren. Dort ist mittlerweile nur noch der Bereich 734 – 756 MHz nutzbar, der Rest ist vom Mobilfunk mit LTE belegt. Es half alles nichts, eine Strecke musste ich auf einen gestörten Kanal legen. Dafür habe ich die Rauschunterdrückung ganz hochgedreht. Das lief soweit erst mal gut, nur hat der Sänger irgendwann die Antenne am Mikrofon umfasst und abgeschirmt. Dadurch gab es einen Signalverlust und ein kurzes, aber lautes Störsignal.

Wie hat das Publikum reagiert?

Eine direkte Reaktion konnte ich nicht sehen, aber angenehm war es sicherlich nicht. Das Aufrauschen lag über dem normalen Lautstärkepegel. Kompressor und Limiter im Signalfluss haben schlimmeres verhindert. Der Sänger hat sich dann auch direkt beim Publikum entschuldigt. In der Pause habe ich ihm erklärt, wie die Störung entstanden ist und dass er mit dem Mikrofon absolut diszipliniert umgehen muss.

Darin kann man schon eine kleine Einschränkung für den Künstler sehen, aber immerhin konnte er sein Mikrofon noch benutzen. Was würden Sie machen, wenn Sie von heute auf morgen keine Funkmikrofone mehr zur Verfügung hätten?

Dann hätten wir ein großes Problem und müssten improvisieren. UNDUZO setzt stark auf Choreografien, die Sänger sind die ganze Zeit in Bewegung, wechseln die Position, teilweise laufen sie auch ins Publikum. Vielleicht würden sich auf die Schnelle ein paar Kabelmikrofone auftreiben lassen. Aber schön wäre die Show sicher nicht, weder für die Sänger noch fürs Publikum. Das Konzerterlebnis ist ohne drahtlose Technik deutlich eingeschränkt.

Sie arbeiten ausschließlich mit Funkmikrofonen. Haben Sie zur Sicherheit außerdem noch Kabelmikrofone dabei?

Nein, Kabelmikrofone machen bei unserer Bühnenshow keinen Sinn. Wir überlegen eher, uns in Zukunft noch eine Funkstrecke zusätzlich als Back-up mitzunehmen.

Die Künstler müssen auf der Bühne perfekt aufeinander abgestimmt singen. Deshalb müssen sie ihre Bandkollegen und vor allem auch sich selbst möglichst gut hören. Wie lösen Sie das technisch?

Wir arbeiten mit drahtlosem In-Ear-Monitoring. Auch hier könnte man sich kaum kabelgebundene Kopfhörer aufsetzen. Klassische Monitor-Boxen für den Bühnenrand haben wir zwar immer noch dabei, das ist aber nur noch eine Backup-Lösung für zusätzliche Sicherheit. Je nach Raum kann ein Monitoring mit fest installierten Boxen nämlich sehr schwierig werden. In-Ear-Technik hat die künstlerischen Möglichkeiten und die Bewegungsfreiheit schon sehr deutlich verbessert.

Sie haben bereits eine Funkstörung wegen Frequenzknappheit in Frankfurt erlebt. Wie knapp ist das Spektrum an anderen Orten?

Meist haben wir keine Probleme, zumindest dann nicht, wenn nur unsere eigenen Strecken betrieben werden müssen. Das sind insgesamt sieben Strecken im C-Band plus drei im A-Band über 500 MHz. Allerdings schaue ich mir die Frequenzbelegung vor Ort immer sehr genau an und scanne das Spektrum durch, auch aufgrund der Erfahrungen in Frankfurt. Spannend wird es bei Festival-Situationen. Gerade im A-cappella-Bereich haben die meisten Gruppen ihre eigene Funktechnik dabei. Wenn 20-30 Mikrofone koordiniert werden müssen, die alle in ähnlichen Bereichen funken, kann es schon eng werden – besonders, wenn dann noch In-Ear-Monitoring ins Spiel kommt. Oft ist ein gemeinsamer Abschluss-Song gewünscht, dann sind besonders viele Funkstrecken gleichzeitig aktiv.

Kann das den Rahmen auch sprengen?

Ja, leider. Vor etwa eineinhalb Jahren waren wir auf einem größeren Festival zu Gast, beim tonART Festival Ilmenau. Dort mussten wir mit Kabel und Funk gleichzeitig arbeiten, um einen gemeinsamen Schlussauftritt zu ermöglichen, bei dem zumindest die meisten Sänger mit einem Mikrofon singen konnten. Es waren sechs Gruppen vor Ort, vier oder fünf haben eigene Tontechnik mitgebracht. Im Durchschnitt haben die Bands vier bis acht Mitglieder, da kann man sich ausrechnen, dass einiges an Funkstrecken zusammenkommt.

Die meisten Ihrer Mikrofone funken im 700-MHz-Band, das größtenteils als Digitale Dividende 2 an den Mobilfunk versteigert wurde. Denken Sie darüber nach, sich neues Equipment für andere Frequenzbereiche zuzulegen?

Ja, das ist allerdings eine Budgetfrage. Wir haben uns über die Ausgleichszahlungen des Bundes zur Digitalen Dividende 2 informiert. Das Ergebnis war, dass wir nur für zwei unserer sieben Funkstrecken im 700-MHz-Band Entschädigungen bekommen würden. Der Rest ist entweder zu alt oder zu neu und fällt damit aus der Regelung. Den weitaus größten Teil der Neuanschaffungen müssten wir also selbst tragen. Leider ist auch das Umrüsten der vorhandenen Technik keine wirklich preiswerte Lösung. Da kann es besser sein, in neue Strecken in einem anderen Frequenzbereich zu investieren. Momentan planen wir alle Strecken im C-Band auf die enge Mittenlücke 733 bis 758 MHz, die der Mobilfunk nicht nutzt. Und erst kürzlich haben wir drei neue Stereo-In-Ear-Strecken für das A-Band gekauft. Ich bin ganz froh, dass wir zumindest hier den Frequenzwechsel hinbekommen und uns wieder etwas Luft verschafft haben.

Fühlen Sie sich mit der neuen Ausrüstung sicher?

Naja, nicht wirklich. Vom C-Band dachten wir auch, dass es sicher ist. Und eine eindeutige Antwort, wo wir für die Zukunft investieren sollen, ist kaum zu bekommen. Auch unser Hersteller konnte uns keine klare Empfehlung liefern. Es war sehr schwer für uns, eine Entscheidung zu treffen. Insgesamt fühle ich mich schon etwas hilflos in dieser Situation. Umso besser, dass sich „SOS – Save Our Spectrum“ bei der Politik für die Belange der Nutzer stark macht.

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