Offizielle niederländische Studie unterstützt Positionen von SOS

Trotz Digitalisierung: Spektrumsbedarf für Funkmikrofone bleibt bestehen

Eine offizielle niederländische Studie über drahtlose Produktionsmittel (international abgekürzt als PMSE: Programme Making and Special Events) vom November 2017 legt offen: Die Digitalisierung von Funkmikrofonen spart nicht viel Spektrum ein. Vielmehr würde der Bedarf in etwa gleichbleiben. Der Grund: Wegen der besonderen Anforderungen an Funkmikrofone – höchste Klangqualität, keine Knackser und Störungen, geringste Latenzzeit – wird es auch nach einer möglichen Digitalisierung weiterhin Bedarf an ausreichend Frequenzen geben. Einsparungen kann es, so die Studie, nur in besonderen Fällen geben, und auch dann nur bei „High-End-Equipment“. Diese Kernaussage bestätigt somit klar die langjährige Position der Initiative SOS – Save Our Spectrum, die die Zusicherung ausreichender Frequenzen für drahtlose Produktionsmittel fordert.

Ausreichend Funkspektrum ist essentiell

Ausführlich erläutert die Studie im weiteren Verlauf den technischen Aufbau von Funkmikrofonen und anderen drahtlosen Produktionsmitteln. Dabei wird deutlich, dass eine politisch vielleicht gewünschte Frequenzbedarfssenkung schon aus technischen Gründen nicht immer möglich ist. Andernfalls drohen Interferenzen und Intermodulationen von Sendefrequenzen, was Störungen zur Folge hat. Empfohlen wird der Einsatz von sehr hochwertigen drahtlosen Produktionsmitteln. Auch die Probleme von digitalen drahtlosen Produktionsmitteln, insbesondere In-Ear-Systemen, werden in der Studie beschrieben: Es sei sehr schwierig, die Latenzzeit auf unter 2 bis 5 Millisekunden zu drücken. Gerade dies ist aber für Künstler, insbesondere Musiker, essentiell. Für sie sind digitale In-Ear-Systeme daher oft keine echte Alternative. Künstler benötigen somit weiterhin ausreichend Funkspektrum für analoge drahtlose Produktionsmittel – nicht nur in den Niederlanden.

Einsatz von PMSE nimmt weiter zu

Darüber hinaus macht die Studie darauf aufmerksam, dass die Zahl der PMSE-Anwendungen auch in Zukunft weiter steigen wird. Das ist in einem dicht besiedelten Land wie den Niederlanden von besonderer Bedeutung. Denn fehlende Frequenzen machen sich hier sofort bemerkbar, wenn es etwa zu Tonstörungen bei Kulturveranstaltungen kommt. In den Niederlanden gibt es jährlich über 800 Festivals mit 23 Millionen Besuchern und einem Umsatz von 750 Millionen Euro. Nimmt man alle Veranstaltungen zusammen, in denen drahtlose Produktionsmittel eingesetzt werden, nennt die Studie einen Umsatz von 2 Milliarden Euro. Bei der Fernsehsendung „The Voice of Holland“ würden zwischen 100 und 200 Funkstrecken benötigt.

„PMSE spielt eine bedeutende Rolle im Leben vieler Niederländer“, stellt die Studie fest. Im Folgenden werden mögliche Großereignisse aufgezählt, die es frequenztechnisch zu regeln gilt wie etwa eine Fußball-Europameisterschaft oder den Eurovision Song Contest. Das gehe nur mit sehr gutem Equipment und einer professionellen Planung der Frequenznutzung. Was es aber auch benötigt: ausreichend Frequenzen. Die Niederländer haben das verstanden.

Quelle: Studie „Digitisation of wireless microphones: The effects on spectrum use“, Report for the Radiocommunications Agency Netherlands, Hilversum, November 2017. Grundlage der Studie waren u.a. Interviews mit Ton- und Frequenzspezialisten, PMSE-Herstellern und Wissenschaftlern.

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