Die Richtung der Bundesnetzagentur stimmt, aber Deutschland muss dringend Allianzen bilden

Nagelprobe Weltfunkkonferenz 2019

Ein Kommentar von Helmut G. Bauer zum Interview mit der Bundesnetzagentur

Nach der Versteigerung der 800 und 700 MHz-Bänder an den Mobilfunk stehen die Nutzer von PMSE vor großen Herausforderungen: Welche Frequenzbereiche können in Zukunft genutzt werden? Ist sichergestellt, dass diese nicht gestört werden? Können sie langfristig genutzt werden, damit sich eine Investition in neue Technik lohnt? Werden die Hersteller Geräte für neue Frequenzbereiche entwickeln?

Helmut G. Bauer, Rechtsanwalt

Die Bundesnetzagentur hat dazu auf Fragen der SOS-Initiative ausführlich geantwortet und dargestellt, welche Frequenzbereiche für Funkmikrofone aktuell und in Zukunft zur Verfügung stehen. Die Antworten machen deutlich, dass die Planung von Veranstaltungen in Zukunft aufwändiger wird. An Veranstaltungsorten müssen immer mehrere Frequenzbereiche unter der Maßgabe untersucht werden, ob es für eine geplante Anwendung ausreichend störungsfreies Spektrum gibt. Dabei kann es erforderlich sein, Equipment für mehrere Frequenzbereiche vorzuhalten, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Dies gilt insbesondere bei nomadischen Veranstaltungen.

Ob in Zukunft ausreichend Spektrum für Großveranstaltungen zur Verfügung stehen wird, wie die Bundesnetzagentur mutmaßt, darf zumindest hinterfragt werden. Nach Untersuchungen des Bayerischen Rundfunks stehen nach der vollständigen Belegung des 700 MHz-Bandes durch den Mobilfunk von ursprünglich 36 TV-Kanälen nur noch 15 freie Kanäle für Funkmikrofone zur Verfügung. Sie reichen nicht mehr für alle bisher beim Oktoberfest eingesetzten drahtlosen Mikrofone aus. Zusätzlich müssen z.B. die Bereiche 1350 – 1400 MHz und 1518 – 1525 MHz genutzt werden. Es wird eng.

Zu begrüßen ist daher, dass sich die Bundesnetzagentur weiterhin dafür einsetzt, die freien TV-Kanäle unter 700 MHz auch zukünftig für PMSE nutzbar zu halten. Die erste Nagelprobe für dieses Bekenntnis wird die Weltfunkkonferenz 2019 (WRC 19) sein. In verschiedenen Zirkeln wird bereits diskutiert, wie man erreichen kann, dass bei der WRC 19 auch noch das 600 MHz-Band auch in Europa für den Mobilfunk im Rahmen einer Digitalen Dividenden 3 geöffnet wird. Hier ist Deutschland gefragt, um im Vorfeld Allianzen mit anderen europäischen Staaten zu bilden, um einen solchen Angriff gemeinsam und rechtzeitig abzuwehren.

In vielen internationalen Gremien und Forschungsprojekten engagieren sich Hersteller bei der Suche nach geeignetem Spektrum und der Entwicklung neuer Geräte. Das Zauberwort heißt „5G“. Die Verwendung von 5G in verschiedenen Frequenzbereichen für die professionelle Produktion erscheint möglich. Sie ist aber nach wie vor nicht gesichert, da noch viele technische und regulatorische Bedingungen erfüllt werden müssen. So muss etwa sichergestellt sein, dass PMSE mit Priorität in 5G-Netzen übertragen wird. Die Alternative dazu wäre ein exklusives PMSE-Spektrum. Es wäre also voreilig, im Vertrauen auf einen positiven Ausgang dieser Untersuchungen bereits jetzt weiteres PMSE-Spektrum für andere Anwendungen freizugeben.

Da sich die Standardisierung von 5G und die Entwicklung geeigneter Geräte noch hinziehen, hat die SOS-Initiative in einer Stellungnahme gegenüber der Radio Spektrum Policy Group (RSPG) gefordert, dass das UHF-Spektrum von 470 bis 694 MHz noch mindestens bis zum Jahr 2040 für TV und Audio-PMSE zur Verfügung stehen muss. Dieser Bereich ist auch in Zukunft das Kernspektrum für professionelle Produktionen. Im Jahr 2030 soll erneut überprüft werden, ob ausreichend geeignete technische Lösungen und/oder Frequenzen für Audio-PMSE verfügbar und überall einsetzbar sind.

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